Stephen Wilks

  • Napoleon Napoleon
  • 2006, Holz, Stoff, Füllmaterial, 120 x 155 x 280 cm
  • 2006, Holz, Stoff, Füllmaterial, 120 x 155 x 280 cm
Biografie

Bridgwater in Somerset ist die Heimatstadt von Stephen Wilks, der dort 1964 geboren wurde. Von 1987 an studierte er zunächst Kunst und Englische Literatur an der Universität Canterbury (Bachelor). Seit 1991 studierte er Kunst auf dem Kontinent, an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris und der Rijksakademie in Amsterdam, von der er ein Stipendium erhielt. Später zog er nach Berlin, wo er lebt und arbeitet. Fotografie, Malen und Zeichnen und Bildhauerei sind die Medien, in denen Stephen Wilks hauptsächlich arbeitet. In seinem fotografischen Werk gibt es eine Verbindung von Street Photography und Konzeptueller Fotografie, wobei die letzteren sich auf vorgefundene abstrakte Bilder im urbanen Kontext konzentrieren. So wie etwa ein strahlend blaues Rechteck, das auf die Wand eines Hauses gemalt wurde, gesehen durch einen Zaun. Oder die Wiederkehr von Farben, wie das Weiß eines benutzten Papier-Taschentuchs, das formal wiederholt wird durch zwei weiße Wasservögel, die man durch das Geländer der Brücke sieht, auf der das Taschentuch liegt. Er fängt zusammenhanglose Momente ein, die durch seinen interpretierenden Blick Bedeutung erlangen.

Seine Zeichnungen und Gemälde befassen sich mit den Veränderungen von Formen und Bedeutungen. Der Fuß-Abdruck einer Gummisohle wird zu einer Karte einer Stadt mit Hochhäusern, der Globus wird zu einem Schildkrötenpanzer umgeformt und die Linien der Handfläche zu einer Karte eines öffentlichen Verkehrssystems, dessen Stationen Namen tragen wie "pills" (Pillen), "disappointment" (Enttäuschung) und "compensation" (Abgeltung). Das ist eine gründliche Infragestellung sowohl der Realität als auch der Art und Weise, wie wir sie in uns abbilden. Wir finden eine Untersuchung vor über den Ursprung unserer Vorstellungen davon, wie ähnlich Ähnlichkeiten sind, was die Natur der simulacra simulacrorum ist, der Selbstverweise und Analogien. Das ist aktives urbanes Denken, das in der Einsicht gipfelt, das wir mit dem Leben weitermachen, allerdings ohne eigentlich zu wissen wie. Der Übergang, die Zone des Zwielichts zwischen dem Realen und dem geistigen Bild des Realen ist der Zugang zu den Vorstellungswelten von Stephen Wilks, die über ein großes assoziatives Potenzial verfügen.

1999 nähte Stephen Wilks aus Stoffresten einen lebensgroßen Esel zusammen, der ihn auf Reisen und Stadtspaziergängen begleitet. Seit 2005 arbeitet der Künstler an seinem "Animal Farm"-Projekt, für das er verschiedene Skulpturen, Masken, Zeichnungen, Fotos und Performances macht. Diese Parade der Tiere ist für Stephen Wilks keinesfalls nur illustrativ, vielmehr strebt er danach, Themen aus George Orwells Buch und anderen Tiererzählungen innerhalb spezifischer zeitgenössischer Zusammenhänge einer Aktualisierung zu unterziehen. Sein Werk reflektiert das Versagen politischer Systeme und die Überlegenheit des Menschen. Es geht um Macht und Unterwerfung, aber er spricht auch über die Umkehr der Machtverhältnisse, etwa das Reiten der Tiere auf Menschen, was in seinen Skulpturen und Performances sichtbar gemacht wird.

Museumsausstellungen

Stephen Wilks, 10.09.2015 - 11.2015, Bonnefantenmuseum, Maastricht, NL