Sam Francis

Malerei und Grafik

10. Oktober 2009 – 28. November 2009

Information

Die Samuelis Baumgarte Galerie in Bielefeld zeigt in der Mainhall vom 10. Oktober – 28. November 2009 die neue große Einzelausstellung „Sam Francis – Malerei und Grafik“ des international renommierten amerikanischen Künstlers Sam Francis (1923–1994).Sam Francis, weltweit in großen Museumsausstellungen wegen seiner lyrischen, farbigen und abstrakten Arbeiten geehrt, zählt zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Francis war einer der ersten amerikanischen Künstler, die mit „empty-center-paintings“ experimentierten. Die Faszination an den für Francis so typischen Farbinseln in einem scheinbaren Meer der weißen Stille beruht auf einem scheinbaren Mangel, der zum Markenzeichen des Künstlers geworden ist. Als einer der Hauptvertreter der aktiven Malerei Amerikas, arbeitete Sam Francis gleichzeitig mit anderen Materialien wie Keramik und Lehm. Er benutzte ebenfalls Techniken wie die der Lithographie und Grafik. Beeinflusst vom Spätwerk Monets und der fernöstlichen, insbesondere der japanischen Kultur reiht sich Sam Francis mit seinem Bildstil und durch die Gestaltungskraft seiner Farben in den Abstrakten Expressionismus ein.

Farbe ist ein Muster, das sich auf der Membran des Geistes abzeichnet.

(Sam Francis)

Sam Francis wurde am 25. Juni 1923 in San Mateo (Kalifornien) geboren und studierte Botanik, Psychologie sowie Medizin in Berkeley, bevor er 1943 zur amerikanischen Luftwaffe ging. Bei einer Notlandung zog er sich eine schwere Rückenmarksverletzung zu, die ihn über ein Jahr lang ans Bett fesselte. Während dieser Zeit begann Francis unter dem Einfluss von David Park zu malen und hatte bereits einen eigenen abstrakten Stil entwickelt, als er nach seiner Genesung in Berkeley von 1948 bis 1950 Bildende Kunst und Kunstgeschichte studierte. 1950 übersiedelte Francis nach Paris. 1957 unternahm Francis eine Weltreise; in den 60er Jahren hielt er sich mehrfach in Japan auf, wo er Anregungen für eine mehr minimalistisch ausgerichtete Malerei empfing. Zahlreiche öffentliche Aufträge und Ehrungen belegen seine internationale Anerkennung. Sam Francis schuf u.a. Wandbilder für das San Francisco Museum of Modern Art (1985) und den Deutschen Bundestag in Bonn (1992). Er engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und gründete 1987 das „Sam Francis Medical Research Center“ zur Erforschung umweltbedingter Krankheiten. Francis starb am 4. November 1994 in Santa Monica (Kalifornien).Beim Betreten der Mainhall erschließen sich dem Besucher in über vierzig präsentierten Unikaten (Leinwand- sowie Papierarbeiten) und originalen Grafiken des renommierten Künstlers emotionale Bildwelten voller Lebensfreude. Sam Francis schafft in seinen Bildern durch die Kombination von Material, Technik und Farbe eine symbolisch-assoziative Formsprache. Durch abstrakte Kompositionen und ausgewogene Farbrhythmen verleiht Francis seinen Arbeiten eine lyrische Schönheit. Francis begreift die Malerei als Prozess, der kontrollierte Zufall spielt sowohl in der Entstehung seiner malerischen als auch grafischen Arbeiten eine entscheidende Rolle. Das Prozesshafte fällt bei Francis jedoch nicht auf ein willkürliches, dunkles, gar bedrohliches Chaos zurück: Sein Werk setzt vielmehr aus der Macht der Farbe eine besondere Energie in Form ordnender Kräfte frei, Übergroße Formate, exaltierte Farbigkeit und offene Bildstrukturen zeichnen die geheimnisvolle Bildwirkung der Kompositionen Francis´ aus.Seit Ende der 50er Jahre zeigt Francis erstmals die zu seinem Markenzeichen gewordenen, bunten Farbinseln auf weißer Leinwand oder Papier. In dem Aquarell „Green Moon“(1964) tauchen diese konzentriert als wenige runde, farbige Flächen auf und in der Gouache „Tokyo“(1966) reduziert er die farbige Erscheinung gänzlich auf den Bildrand, so dass diese die weiße Bildmitte nahezu zu rahmen scheint. In den 60er Jahren entwickelt er zudem seine eigene Form des „Drip Painting“, eine Form des Action Painting: durch kreisende und spritzende Bewegungen lenkt er die Farben in unterschiedlich starken Rinnsalen über den Malgrund, wodurch sowohl Farbspritzer und Tropfenformen, als auch reliefartige Farbflächen aus Acryl-, Aquarell- und Ölfarben entstehen. Die so entstehenden Farbstrukturen zeigen sich dem Betrachter besonders in Werken wie der Temperaarbeit „Selfportrait“(1962). Diese Kombination aus weißem Bildgrund, einem nahezu transparent und zeichnerisch wirkenden Auftrag der Flecke und Linien einerseits und den klaren, kräftigen Farben andererseits lassen den Betrachter in emotionale Bildwelten versinken. 

Die Acrylgemälde „Untitled“(1973) und „Untitled/L.A.“(1973) sind anschauliche Beispiele für die in den 70er Jahren entstehenden sogenannten „Gitterbilder“, die, anders als die Farbinseln der vorherigen Jahre, über die gesamte Bildfläche eine netzartige Struktur aufweisen. In seinem Werk der 80er Jahre scheint Francis seine Kompositionsstile zu vereinen und schafft mehrteilige Bildkompositionen mit teilweise verfließenden Farben. Er kehrt sich dabei zunehmend dem Prinzip der Leere wieder ab und setzt in seinen Kompositionen auf eine hohe Struktur- und Farbfülle. So findet der Betrachter in den präsentierten Monotypien „Untitled“(1978), „Untitled“(1980) und „Untitled“(1982) sowohl die für die 60er Jahre typischen Farbinseln und Rinnsale, als auch die flächendeckende Farbstruktur der 70er Jahre-Werke wieder. Die weißen Stellen der Leinwand ragen dabei wie in einem Vexierspiel einmal als Muster, einmal als Grund aus dem Farbennetz heraus.

Zum Künstler: Sam Francis