Fran Dropkin und Anna Anders

Vamos a la playa

07. Oktober 2008 – 15. November 2008

Information

Beide Künstlerinnen richten ihr Augenmerk auf Menschen am Strand, unterscheiden sich jedoch grundlegend in der Wahl ihrer Technik und der Umsetzung. Während die New Yorkerin Fran Dropkin Szenen mit lebhaften Farben auf Leinwand festhält, betrachtet die in Berlin lebende Anna Anders in ihren Videoarbeiten Menschen am Strand mit einem analytischen, fast unbeteiligten Blick. Mit unterschiedlichen Medien schaffen es die Künstlerinnen, einen ästhetischen Bogen zwischen Realität und Virtualität zu ziehen.

Fran Dropkin setzt ihren malerischen Akzent auf die Vermittlung einer einzigartigen Atmosphäre, die durch das Zusammenspiel von Licht, Himmel und Wasser entsteht. Drei Strandstühle reihen sich unter einem gestreiften Sonnenschirm, als würden Sie das glitzernde Meer im Hintergrund betrachten, während der Strand das Licht der Sonne in verschiedenen Farben reflektiert (Pink sky, blue sea, 2006). Nicht nur geschicktes Vermischen von nassen Pigmenten zu einem harmonischen Ganzen, Himmel und Wasser, verstärken das Gefühl der Ausmaße von Meer und Himmel, sondern auch die Aura der dunstigen Luft, welche an heißen Sommertagen entsteht. Die Figuren, welche die Strände bevölkern, sind Individuen, deren Identität sich jedoch in der sengenden Sonne verliert. Sie breiten ihre Handtücher aus, öffnen einen Sonnenschirm, entpacken ihre Taschen und gehen somit ganz typischen Strandaktivitäten nach (Blue Sea, 2006). Sofort fühlt sich der Betrachter an eigene Ferieneindrücke erinnert. Oft geht es dabei um prägende Erlebnisse aus einer Kinderzeit, die später – ungerufen – ins Gedächtnis rücken, wie eine lastende oder beglückende, jedenfalls eine alle Sinne zugleich ansprechende Gesamterfahrung aus Licht, Wellenschlag und Kinderlärmen, Berührungen des Windes und Sonnenwärme auf der Haut. In einigen Arbeiten, wie beispielsweise „Green and white striped umbrella, 2001“ setzt Fran Dropkin durch Farbkontraste prägnante Akzente und vermittelt so dem Betrachter den Eindruck von flimmernder Hitze. Das Publikum wird eingeladen sich vollkommen auf die Situation einzulassen und die sommerliche Atmosphäre zu erspüren.

Fran Dropkin studierte an der Boston University School of Arts unter anderem bei Philip Guston und James Weeks. Seit 1976 wurden ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen in den USA, zum Beispiel an der American Academy of Arts & Letters in New York City und in Europa, unter anderem mehrfach in der Samuelis Baumgarte Galerie, ausgestellt.

Während die Arbeiten von Fran Dropkin eine Ruhe, gar die sommerliches Mittagshitze ausstrahlen, will sich beim Betrachten des „Sonnenbads“ von Anna Anders keine wirkliche Entspannung einstellen. Zwei Figuren sonnen sich im Lichte des Projektors und bieten ihre entblößten Körper dar. Sie nehmen einen Strandabschnitt in Beschlag, breiten Ihre Handtücher aus, arrangieren ihre Mitbringsel und präsentieren sich begleitet vom immer wiederkehrenden Meeresrauschen. Kein Blick oder Lächeln wendet sich dem Betrachter bewusst zu, die Figuren bewegen sich scheinbar frei und unbeobachtet. Gerade die fehlende Interaktion mit dem Betrachter lässt ihn zum Voyeur intimer Momente werden, welche durch die Wahl des Ortes Strand gleichzeitig für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Auch in ihrer zweiten Arbeit „Ausgrabungen“ spricht Anna Anders den Betrachter auf einer emotionalen Ebene an. Zwei Arme wühlen im Sand und fördern immer neue Gegenstände zu Tage. Es sind Gegenstände des Strandalltags: Plastikförmchen, Strandschuhe, Taucherbrillen, usw. Sind dies die Gegenstände, die von unserer Gesellschaft, von unserer Standkultur übrig bleiben werden?

Die Arbeit „Sonnenbad“ wurde bisher nur einmal gezeigt und zwar 2005 im Video Space der Art Cologne. „Ausgrabungen“ wurde im Rheinischen Landesmuseum Bonn im Rahmen einer Einzelausstellung der Künstlerin gezeigt. Neben weiteren Ausstellungen in Deutschland wurden Videoarbeiten von Anna Anders auch in Europa, Argentinien, Israel und Taiwan präsentiert. Anna Anders ist Professorin für Grundlagen der Gestaltung des bewegten Bildes an der Universität der Künste Berlin

Beide Künstlerinnen verstehen es, Momente und Stimmungen des Strandalltags gekonnt in Szene zu setzen. Sie erfassen Tageszeiten, Lichtspiele und typisch menschliche Situationen. Die Anordnung der Ausstellung ermöglicht eine Auseinandersetzung mit Gegensätzen dieses Strandtags: Anspannung und Entspannung, sich präsentieren und sich fallen lassen, Bewegung und Ruhe. Durch die Blickwinkel der beiden Künstlerinnen, welche sich in bestimmten Kombinationen ergänzen und in anderen kontrastieren, eröffnen sich dem Publikum immer neue Dimensionen des Strandalltags. Auch durch die Gegenüberstellung der Techniken, durch das Wechselspiel von Leinwänden und Videoprojektionen entsteht eine Spannung, die den Betrachter gefangen nimmt und ihn neugierig nach weiteren Eindrücken suchen lässt. Diese finden sich in den unterschiedlichen Räumen der Ausstellung, von meditativ/ nachdenklich zu unbeschwert und frei.

Zur Künstlerin: Anna Anders