Daniel Sabranski

10. Oktober 2009 – 28. November 2009

Information

Die Samuelis Baumgarte Galerie Bielefeld zeigt im Project Room vom 10. Oktober – 28. November 2009 Arbeiten des jungen, aufstrebenden Künstlers Daniel Sabranski.Daniel Sabranski wurde 1977 in Köln geboren. Nach einer dreijährigen Fotoassistenz und einem Aufenthalt in den USA, begann Sabranski im Jahr 2002 sein Studium der bildenden Kunst bei Prof. Christiane Möbus an der Universität der Künste (UdK) in Berlin; im Jahr 2008 schloss er sein Studium als Meisterschüler ab. Seine Arbeiten wurden 2009 in der „Galerie der Besten“ der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn sowie in der Galerie LaBank in Paris, dem Centre d’ art Neuchâtel, der Galerie Gillian Moris Berlin und im Berlin - Raum für zeitgenössische Kunst in Dresden gezeigt. Für seine Videoarbeit „dis-appearance“ im Rahmen der Ausstellung „Urbane Welten“ erhielt Daniel Sabranski in diesem Jahr den Nürnberger Kunstpreis Langwasser.Bereits beim Betreten des Project Rooms wird der Betrachter mit dem Leitmotiv von Daniel Sabranskis Arbeit konfrontiert. In der Videoinstallation „I am a photograph“ (2006, Video, 3:15 min) ist der Künstler selbst zu sehen: maskiert bewegt er die Lippen zum Playback des gleichnamigen Discoschlagers von Amanda Lear. Immer wieder ändern sich Masken und Beleuchtung. Die rhythmische Verschiebung des Playbacks lässt die Grenze zwischen Inszenierung und Authentizität verschwimmen, das Musikvideo ist glamouröser Camp und artifizielle Überhöhung zugleich. Bereits mit dieser Arbeiten bringt Sabranski sein Selbstverständnis als Künstler auf den Punkt. Immer begreift sich der Künstler als Teil seiner Kunst: er selbst ist die Fotografie. Nicht umsonst erzählt der Text des Liedes vom Prozess der Herstellung einer Fotografie und seiner Entwicklung. Sichtbar, maskiert oder getarnt – fast immer wieder erscheint Sabranski selbst im Bild. Im Laufe der Ausstellung begegnet Sabranskis Körperlichkeit dem Betrachter in immer wieder neuen Formen.In den digitalisierten Landschaften von „Athos“ (2007, C-Print kaschiert auf Alubond, 130 x 120 cm) und „Operation Skye“ (2007, C-Print, 140 x 130 cm) ragen die Körper wie Mutationen aus der scheinbar natürlich Umgebung. So verschmelzen organische und künstliche Oberfläche zu amorphen Bilder-Landschaften. Sabranski verkehrt die digitale Bildbearbeitung, wie sie zumeist in medialen Simulationsstrategien verwendet wird, in ihr Gegenteil: in Bildern wie „Fraktal“ (2009, Fotografie auf Alubond, 107 x 120 cm) und „Immatériaux“ (2009, C-Print kaschiert hinter Plexiglas) entdeckt der genaue Betrachterblick Bruchstellen, die das simulierte digitale Herstellungsverfahren offenbaren. Alle Maquetten, Modelle, Kostüme und sonstigen Hilfsmittel, die er für seine Arbeiten verwendet, werden vom Künstler selbst hergestellt, montiert und analog photographiert. Auch in „Mirrormask“ (2009, C-Print, 107 x 120 cm), „Ohne Titel“ (2009, C-Print, 110 x 120 cm) und „Kopf“ (2009, BW Print auf MDF, 120 x 100 cm) stellt Daniel Sabranski herkömmliche Sehgewohnheiten in Frage; in seinen Arbeiten wird die Brechung mit der digitalen Verfremdung erkennbar. Der eigene Körper verschwindet in der Uneindeutigkeit der Projektionsfläche. Der Künstler versenkt den eigenen Körper, beklebt ihn häufig mit anderen Fotografien.Im Project Room ragt dem Besucher, wie aus einer anderen Dimension herübergreifend, ein Arm aus der Wand entgegen: „Rekonstruktion“ (2009, Beton, Directscans, Alu, Styropor, 130 x 100 cm) nennt Sabranski diese Skulptur. Ebenso wie „Rekonstruktion“ erzählen Sabranskis Arbeiten immer von der Sehnsucht, den eigenen Körper mit seiner Umgebung verschmelzen zu lassen. In der Ausstellung zeigen „Quantum“ (2009, C-Print, 100 cm Durchmesser) und „Fragile“ (2008, Barit gerahmt hinter Glas, 100 x 130 cm) den Menschen als abstrahiertes Wesen, dessen organische Eigenschaften von der Materialität des Künstlichen ersetzt wird. Das großformatige „Imi-Ut“ (2005, 2 x C-Print, 370 x 160 cm) im Treppenaufgang der Galerie berührt hingegen ein nahezu spirituelles Thema: Ausschlaggebend ist die Vorstellung an die generelle Unendlichkeit des Lebens und die parallele Unendlichkeit des Universums, sowie der Glaube das sich alles Existierende aus derselben Materie zusammensetzt. Imi-ut, der Titel dieser analogen Fotoarbeit stammt aus dem Altägyptischen und lässt sich mit "Der-in-der-Umhüllung-Befindliche" übersetzen. Dieser Begriff bezeichnet bzw. beschreibt eine der Erscheinungsformen des ägyptischen Königs. 

Im Untergeschoss sieht der Besucher Sabranskis prämiertes Videoprojekt „dis-appearance“ (2006, Video, 2:47 min.). Im öffentlichen Raum der Berliner U-Bahn zeigt Sabranski die perfekte Mimikry des Individuums. Getarnt und eingehüllt in unterschiedliche Kostüme bewegt sich die Figur (dargestellt durch den Künstler selbst) durch die urbane Einsamkeit der U-Bahn. Begleitet von Rotor- und Sonargeräuschen ergibt sich ein nahezu unheimliches Motiv. So thematisiert Daniel Sabranski in „Foreign Body“ die Sehnsucht, den eigenen Körper sinnlich zu verfremden, um ihn endgültig hinter der eigenen Projektion verschwinden zu lassen.

Presse

Presseartikel "Fließende Grenzen", Neue Westfälische

Presseartikel "Farbinseln im Meer der weißen Stille", Westfalen-Blatt